Restaurierung einer englischen Schreibkommode


Objektbeschreibung

Das sehr klassisch englisch (Schub- Sockelkonstruktion, Rahmenverbindungen ) konstruierte Möbel ist in einem für das Alter relativ guten Zustand, dennoch restaurierungsbedürftig. Das heißt, vorwiegend zeigen sich konstruktiv bedingte sowie allgemeine Abnutzungserscheinungen. Das Deckblatt allerdings hat erhebliche Furnierschäden im hinteren Bereich und ist bei der letzten Reparatur stark heruntergeschliffen worden. Das abklappbare Vorderstück der obersten Schublade mit den dahinterliegenden Fächern und Schüben ist zudem im Mittelbereich stark verkrümmt und auch noch leicht windschief. Weitere konstruktive Schäden sind geschrumpfte Rückwandfüllungen und Schubkastenböden, die verworfenen kleinen Schübe des Innenlebens sowie die Deckblattrisse. Zu den Abnutzungsspuren zählen ausgefahrene Laufleisten des Schubkastenlaufsysthems, fehlende, bzw. abgestoßene Furnierschutzleisten, sog. „ cockbeadings „ aller Schübe. Die originale Ledereinlage fehlt sowie die ursprünglich metallenen Schubkastengriffe und die Schlüssel. Das Schloss der Schreibschublade ist durch ein neues ersetzt. Die Lackoberfläche ist abgesehen vom Deckblatt weitgehend intakt.

Restaurierungskonzept

Das Möbel sollte in seiner Nutzbarkeit wieder hergestellt werden, d. h. die Schübe und Klappe sollte gangbar sein, die Oberflächenpatina soweit wie möglich erhalten werden. Das Deckblatt müßte auf Grund der starken Schäden neu poliert werden.

Restaurierungsbericht

Das Deckblatt mußte einer umfassenden Oberflächenbehandlung unterworfen werden, da durch die großen Furnierschäden im hinteren Bereich, die kleinen Fehlstellen an den Kanten vorne, Kürschner in der Mitte des Furnierblattes und stärkere Verfärbungen durch Wasser und andere flüssige Substanzen die Gesamtoberfläche so stark angegriffen war, daß sie vollständig abgenommen werden mußte. Das Deckblatt war zudem die einzige Fläche, die vormals einer starken Renouvierung unterworfen war. Die Funierergänzungen im hinteren Bereich ersetzen nun eine unsachgemäße Reparatur in Nußbaum. In diesem Bereich war das vollständig abgeschliffene Furnier teilweise nur noch wenige zehntel Millimeter stark. Demnach stellte sich auch die Farbe und Tiefenwirkung des Deckblattes völlig anders dar, als die nahezu unbeschädigten sonstigen Flächen des Möbels. Bei der jetzigen Restaurierung mußten die eingesetzten Furnierteile, nachdem die gesamte Fläche mit feinem Schleifpaper angeschliffen wurde , mit Wasserbeize farblich angepaßt.werden. Zuvor wurde die Fläche mit Oxalsäure leicht aufgehellt um die Verfärbungen zu nivelieren. Da das Holz die typische Rotfärbung von angeschliffenem Mahagoniholz zeigte, wurde eine dünne Leimsperre aufgetragen, die das Holz wesentlich gelblicher, dem durch UV-Strahlung gebleichten Mahagoniholz nahekommend, erscheinen läßt. Danach wurde eine Schellack-Politur aufgebracht, die offenporig gehalten wurde, um dem abschließenden dünnen Wachsauftrag Haftung zu ermöglichen. Ein typischer Seidenmattcharakter sollte erzielt werden. Diverse Retuschen sind vorgenommen worden. Die Einsätze wurden farblich angeglichen und mit etwas Politur versehen auf die gleiche Politurdicke gebracht. Der dichteren Politur auf den Schubkastenfronten wurde nur eine dünne Endpolitur zuteil, um die matten Stellen auf Seidenglanz zu bringen. Die Seiten, die in wesentlich grobporigem Mahagoni gearbeitet waren, hatten nur eine recht dünne Politur, eventuell war ursprünglich nur eine dünne Wachsschicht aufgetragen. Es wurde nur eine dünne Schicht Schellack-Mattierung aufgetragen, die dann ebenfalls gewachst wurde. Das Innenleben wurde in gleicher Manier bearbeitet, da auch hier anscheinend nur eine dünne Schicht Politur vorhanden war, die gewachst wurde. Der Fries der Schreibplatte die den Ledereinsatz umfaßt wurde stärker poliert, bis ein ähnlicher Oberflächenaspekt wie auf den Schubkastenfronten erreicht wurde.
Deckblatt : Zwei große Funierergänzungen mußten im hinteren Bereich, des mit einem einzigen großen Furnierblatt furnierten Deckblattes gemacht werden. Die seitlich angebrachten vom Deckfurnier überfurnierten Leisten mußten neu verleimt werden. Verschiedene kleinere Furnierergänzungen an allen Kantenbereichen wurden ebenfalls gemacht.
Laufsysthem : Die eingegrateten Laufböden konnten nach vorne herausgeschoben werden, nachdem die auf die Seiten aufgedoppelte Leiste abgenommen wurde. Die ausgefahrenen Stellen aller Laufleisten wurden ausgeglichen und durch eine 2 mm starke Leiste aufgedoppelt. Der Schubkasten wurde dadurch etwas angehoben, um nicht mehr auf der Traverse zu schleifen. Anschließend wurden die Staubböden wieder eingesetzt und nur im vorderen Bereich mit der Seite verleimt.
Rückwand : Die Rückwandwurde abgeschraubt, die geschwundenen Füllungen verbreitert und wieder fixiert.
Schubkästen : Die Schubkastenböden wurden herausgelöst, aufgetrennt und verbreitert. Alle Schübe mußten zerlegt werden, da die Leimverbindungen nicht mehr hielten. Die abgelaufenen Seitenstücke mußten sämtlich im Laufbereich verbreitert werden, zum Teil auch die Beistoßleisten die, die Böden aufnehmen. Alle Schübe wurden neu verleimt, die Böden eingeschoben und im vorderen Bereich nach englischer Art mit dem Vorderstück durch Leisten fixiert. Im hinteren Bereich konnten durch die Originallöcher, zum Teil mit den Originalnägeln, der Boden am Hinterstück befestigt werden.
Schreibklappe : Alle Beschläge des Abklappmechanismus, inclusive Scharniere mußten entfernt werden um die verzogene Schreibklappe bearbeiten zu können und ihre Funktion wieder herzustellen. Im Bänderbereich wurde die Klappe aufgedoppelt um wieder parallel zur Kante des Innenlebens gebracht werden zu können. Dies ist notwendig, damit die aufgeklebte Ledereinlage beim Hochklappen nicht abreißt und die Scharniere nicht überbelastet werden. Kleinere bis mittelgroße Furnierfehlstellen mußten auf der Schreibseite ergänzt werden.
Innenleben : Der Korpus der Schreiblade wurde im Laufleistenbereich in gleicher Manier bearbeitet wie die Schubkästen. Die kleinen Innenschübe, sowie die mittlere kleine Tür, hinter der sich noch ein weiterer kleiner Schub verbarg, konnten durch kleinere Korrekturen an den Seiten und den Laufleisten wieder gängig gemacht werden.
Innenbeschläge : Das mittlere Scharnier mußte nach der Aufdopplung der Schreibplatte leicht nach vorne versetzt werden, die seitlichen konnten auf ihren alten Positionen verbleiben Die seitlich angebrachten Klappenbügel konnten wieder an ihren ursprünglichen Positionen angebracht werden. Sämtliche Beschläge konnten wieder mit ihren original handgeschmiedeten Schrauben angebracht werden. Fünf fehlende Elfenbeinköpfe der kleinen Schubkastenknöpfe wurden nach vorhandenem Vorbild nachgedrechselt und auf den vorhandenen Schaft aufgeklebt.
Front : Die Vorderstücke mußten an verschiedenen Stellen, an den Seiten sämtliche sogenannte „cockbeadings„ ersetzt und ergänzt werden. Sie schützen den Kantenbereich der Schübe, da sie das Absplittern des Deckfurniers verhindern. Kleinere Ergänzungen mußten auch am Deckfurnier der Schubkästen gemacht werden.
Sockelbereich : Verschiedene Stütz- und Halteklötze der „ Bracket Feet„ mußten ergänzt werden. Sämtliche Ergänzungen weden der Alterspatina des Gesamtstückes individuell angepaßt.
Außenbeschläge : Die originalen Schubkastenbeschläge sind durch im viktorianischen Stil massiv gedrechselten Knäufe ersetzt worden, es sind nur noch Spuren der metallenen kreisrunden Deckplatten der Originalknäufe zu sehen.Diese Ersatzknäufe wurden wiederum durch stilgerechte, den Originalabdrücken entsprechende Messingknäufe ersetzt. Es wurden zwei neue Schlüssel angefertigt.
Abschließend wurde das gesamte Möbel außen leicht gewachst.

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