Objektbeschreibung
Aus der 1. Hälfte des 18. Jh., der Möbelstilepoche des Barock stammt dieser Schrank.
Auf Grund der typischen Form des Kranzes; sogenannter Danziger Giebel und der Aus-
sage des Auftraggebers , wonach der ursprüngliche Besitzer des Möbels aus Königsberg
kam, ist eine Herkunft aus dem nordöstlichen Raum Europas, d.h. Ostdeutschland, Polen,
dem Baltikum wahrscheinlich.
Das gesamte Möbel ist formal 3-geteilt, wobei die schräg aufliegende Schreibplatte von oben durch zwei , über die gesamte Breite verlaufende plane Türen und von unten durch drei typisch geschwungene aufschlagende Schübe eingegrenzt ist. Der obere Teil, d.h. der Korpus mit den beiden Türen ist aufgesetzt und einzeln abnehmbar. Der Kranz ist schlicht profiliert und zur Front hin trapezförmig nach oben gekröpft. Die Lisenen laufen bis nach unten durch und bilden mit einem Zwickel die Füße des Möbels. Zusätzlich ist die unterste Taverse mittig zu einer geschwungen ausgearbeiteten Stütze verlängert. Das gesamte Möbel ist mit Nußbaumsägefurnier auf Nadelholz, wohl nordische Kiefer furniert.
Bei den Friesen, die den gesamten Korpus, d.h. Seiten, Front, Klappe und Schübe umlaufen ist auf eine Furnierauswahl mit starkem Kern / Splintholz- Kontrast Wert gelegt worden. Bei den Füllungen, die noch von einer Pflaumenholzader umrandet sind ist ein schlichter Nußbaumwurzelmaser verarbeitet worden. Die etwas einfache Inneneinteilung des Aufsatzes und des Schreibfaches mit ihren Einschiebe-
böden und den Schubkästen, sowie die Holzauswahl des Blindholzes und Deckfurniers lassen auf einen bürgerlichen, nicht höfischen Auftraggeber schließen. Die Beschläge sind zeitgemäß, müssen jedoch nicht die Originalen sein.
Restaurierungskonzept
In diesem Fall sollten der nicht stilechte Nitrozelluose / Schellack Oberflächenüberzug nicht entfernt werden. Ebenso sollten diverse Furnierergänzungen, die nicht dem Originalfurnier entsprechen belassen werden. Eine harmonische Gesamterscheinung sollten auch in Anbetracht der Anfertigung diverser Neuteile, wie Schlageleiste und Teile des Sockels Hautkriterium der Restaurierung sein. Die Neuteile sollten den Eindruck vin gewachsener Alterspatina erwecken.
Restaurierungsbericht
Die vollständige Sicherung der gesamten Furnierung an allan Außenflächen ist mit einer Warmleimschwämme und Preßdruck durchgeführt worden. Zum Teil sind nicht ganz fachgerechte frühere Ergänzungen bewußt erhalten worden. An verschiedenen Stellen wurden vorpolierte Furniere eingesetzt. Großflächige Ergänzungen wurden am Sockel, der um ca. 5 cm erhöht wurde und an den Traversen vorgenommen. Die Schlageleiste der Tür wurde neu angefertigt . Ein Schwundriß auf der Sichtseite der rechten Tür wurde ausgespant, das rückseitige Blindholz zur Reduzierung der Span-nungenausgefräst und wieder mit Holz ergänzt. Eine fehlende Pflaumenholzader wurde ebenfalls neu eingesetzt. Eine vollständige Nivellierung erhabener Stellen in der Fläche wurde nicht angestrebt. Normale Gebrauchsspuren sollten grundsätzlich nicht z.B. durch Schleifen reduziert werden. Teils wurde neu angeschlagen. An der Schreibklappe wurde der Bruch des Rahmenquerholzes mit geringstmöglichem Oberflächenverlust repariert. Die Klappe verbleibt windschief, ihre Funktion ist dennoch wieder hergestellt Die Schübe wurden in Teilbereichen verleimt und neu abgestoppt, nicht wie ursprünglich durch die Rückwand sondern mit Stoppklötzen.
Die Laufböden wurden um 3 mm aufgedoppelt und keilförmige Streichleisten zur besseren Führung montiert. Ausgebrochene Bereiche an den Traversen im Riegelbereich wurden ergänzt. Durch diese Maßnahmen ist die Funktion aller beweglichen Teile wieder hergestellt worden. Die Rückwände wurden zur Bearbeitung herausgenommen, verleimt und abschließend vermittelt wieder fixiert. Das Innenleben wurde mit schwacher Seifenlauge gereinigt, drei fehlende Einschiebeböden neu angefertigt und farblich angepaßt. Es folgte eine dünne Grundierung mit Schellackmattierung.
Die gesamte Oberfläche wurde zur Harmonisierung der Ergänzungen in das Gesamterscheinungsbild des Möbels mit gebleichtem Schellack seidenmatt überpoliert. An diversen Stellen wurden Farbretuschen auf Alkoholbasis verwendet. Abschließend wurde eine dünne Wachsschicht aufgebracht. Sämtliche Schubkastenschlösser wurden so überarbeitet, daß sie nun arrettierbar sind.Alle Beschläge, Schlösser, Riegel wurden abgenommen, in verdünnter Seifenlauge gerienigt und wieder montiert.
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